Die Geschichte des RollstuhlClub ZentralSchweiz

Die Anfangsmotivation einen Rollstuhlclub zu gründen lag im Interesse, sich als Rollstuhlfahrer sportlich betätigen zu können, ausserhalb der Rehabilitation. Anfang der 60er Jahre war es noch nicht ü blich, dass an den Rollstuhl „gefesselte" Menschen an Rollstuhlsport dachten oder ausführten. Der Gründungspräsident Toni Lustenberger, Kriens, war bereits 1960 an den ersten paralympischen Spielen in Rom als Querschnittgelähmter mit von der Partie.

Der Zufall wollte es, dass zwei weitere junge Paraplegiker in Kriens wohnten. Sie waren gemeinsam der Meinung, dass sie etwas tun möchten. Zwar gab es in Luzern bereits ein Invalidensportclub, aber die sportliche Konzeption für blinde und Amputierte war zu verschieden, um ein gemeinsames Turnen zu ermöglichen.

Im Jahre 1966 haben initiative junge Männer und Frauen, welche durch eine Behinderung auf den Rollstuhl angewiesen waren, zur Selbsthilfe gegriffen. So trafen sie sich erstmals am 28. April 1966 in der Turnhalle im Schulhaus Gabeldingen Kriens, unter fachkundiger Anleitung zur ersten Sportstunde für Rollstuhlfahrer/innen. So wurde die Rollstuhlsportgruppe Kriens gegründet. Gleichzeitig waren diesen jungen Sportler und ihre Helfer die Gründungsmitglieder des Rollstuhlclub Kriens. (Zum Namen Zentralschweiz wurde erst im März 2004 gewechselt).

Namentlich waren dies:
- Toni Lustenberger
- Ernst Michel
- Werner Waldispühl
- Lisel Aschwanden
- Hanne Müller
- Werner Kuster

Sowie die Leiter
- André Deville
- Kurt Aschwanden
- Hans Kuster
- Fritz Waldispühl

Am 3. April 1969 wurde zur besseren Wahrnehmung der Interessen der Rollstuhlbehinderten ein Verein mit eigenen Statuten gegründet, der als Sektion dem Schweizerischen Verband für Invalidensport angeschlossen war. Von Anfang an haben die Vorstandsmitglieder, nebst dem Rollstuhlsport auch kulturelle Anlässe organisiert. Imgegenseitigen Gedankenaustausch wurden Rechtsfragen aller Art diskutiert und verschiedene politische Vorstösse unternommen.

1971 konnte dank guten Beziehungen zur Gemeindebehörde Kriens im Schulhausneubau Krauer ein vielseitiges Sportangebot gemacht werden. Der eigens für die Rollstuhlfahrer ermöglichte Trainingsraum, liess Tischtennis und Gewichtheben zu. Das Hallenbad und die Aussenanlage ergänzten ebenfalls das Turnen.

1980 wurde die Schweizerische Paraplegiker Vereinigung (SPV) durch Dr. Guido A. Zäch gegründet. Seither ist der Rollstuhlclub Zentralschweiz eine Sektion der SPV mit entsprechenden Statuten. Die Ressorts Sozial- und Rechtsberatung, sowie Kultur und Gesellschaft (heute heisst das Ressort Kultur und Freizeit) kamen damals neu dazu.

Bereits in den frühen 80er Jahre wurden, damals noch in Kriens, grössere Sportanlässe, auch von nationaler Bedeutung, unter der Regie des Rollstuhlclub Kriens durchgeführt. Ob dies nun Sportplauschtage oder Rollstuhl Schweizermeisterschaften waren, Kriens war immer ein sehr aktiver Club.

1983 wurde zur Ergänzung des sportlichen Angebotes des RC Kriens eine Rollstuhlbasketballmannschaft gegründet. Die Spieler waren seit dem Gründungstag auch Mitglieder des Leichtathletikclub Zug, von da der Doppelname RC Kriens/LK Zug. Das Zug/Kriens Team zählte zu den Besten der Schweiz und gewann bereits in der ersten Saison den Schweizer Cup und den zweiten Platz in der Meisterschaft. Die doch etwas unerwarteten Soforterfolge, weckten dann auch gleich das Interesse am Basketballsport innerhalb des RC Kriens. In den folgenden Jahren konnten die Innerschweizer ganze neun Schweizermeister- und elf Cupsiegertitel feiern.

Nach dem das Schweizer Paraplegiker Zentrum (SPZ) Nottwil gebaut war, konnten die Basketballer Nottwil zu ihrer neuen Heimhalle machen. Mit dem Neubau des SPZ öffneten sich ganz andere sportliche Möglichkeiten für alle Rollstuhlsportler der Zentralschweiz. Fast alle sportlichen Tätigkeiten wurden auf Nottwil verlegt. Heute findet einzig das Turnen noch in der Krauerhalle in Kriens statt.

Da der Rollstuhlclub Kriens schon seit seiner Geburtsstunde stark durch den Sport geprägt war, expandierte dann das Angebot an sportlichen Trainingsmöglichkeiten, Sportanlässen und Sportveranstaltungen gewaltig. Ganz besonders entwickelten sich die Leichtathletik und Basketball.

  
  1986 erster Sempacher Marathon: Erwin Zemp, Heinz Frei und Jean-Marc Besset

Heute hat der Club zwei Basketballmannschaften, eine NLA und eine NLB Mannschaft. Das A-Team ist vielfacher Schweizermeister und Cupsieger und international gemessen ein gutes B-Team. Für das Jahr 2006 ist der Aufstieg in die A-Klasse als Ziel gesetzt. Das B-Team sorgt einerseits für den Nachwuchs und gibt ehemaligen Spitzenspielern die Möglichkeit, auf etwas ruhigere Art ihr Können und ihre Erfahrungen an die Spitzenspieler von Morgen weiter zu geben.

Leichtathletiksportler vom Rollstuhlclub Kriens sind seit Jahren an internationalen Anlässen am Medaillen sammeln. Von Europameisterschaften über Weltmeisterschaften hin zu olympischem Edelmetall.

In all den Jahren ist der Rollstuhlclub gewaltig gewachsen, und aus den anfänglichen Krienser- Mitgliedern ist ein Club geworden mit 300 Aktiv- und 500 Passivmitgliedern aus allen Kantonen der Schweiz. Nach wie vor steht das Clubangebot allen Rollstuhlfahrern der Schweiz zur Verfügung. Mittlerweile gibt es in jeder grösseren Region der Schweiz einen Rollstuhlclub, so dass wir unsere Mitglieder hauptsächlich aus dem ganzen Raum der Zentralschweiz betreuen und verwöhnen wollen.

Dem damaligen Vorstand war es ein Anliegen, dass sich jeder Zentralschweizer mit seinem Rollstuhlclub identifizieren kann, und dass der Club in der Öffentlichkeit als Vertreter für die ganze Zentralschweiz erkannt wird. So wurde aus dem Rollstuhlclub Kriens an der 36. Generalversammlung vom 12. März 2004 der Rollstuhlclub Zentralschweiz (RCZS).

Mittlerweile schreibt der Rollstuhlclub Zentralschweiz das Jahr 2005. Vieles hat sich gesellschaftlich, politisch und clubmässig verändert. Die Finanzen spielen heute eine grössere Rolle als noch vor 40 Jahren, Wörter wie Sponsoring und Marketing haben heute eine wichtige Bedeutung und Interessen der Clubmitglieder verlagerten sich. Das Interesse am Sport ist im RCZS nach wie vor sehr gross, viele Sportler wollen heute auf dem internationalen Sportparkett dabei sein. Der Club unterstützt nach besten Möglichkeiten seine Mitglieder und betreibt daher gezwungener Massen ein neues und anderes Management.

Durch die grössere Akzeptanz der Rollstuhlfahrer in unserer Gesellschaft ist es heute vielen Behinderten möglich, jene Freizeitangebote zu geniessen, welche ihn persönlich ansprechen. Die wenigsten sind heute auf einen Club angewiesen, welcher Ausflüge, Konzerte, Theater- oder Kinobesuche organisiert.

Die grosse Herausforderung in diesem neuen Jahrtausend wird sein, die alten Ideen, Ideale und Hoffnungen der Gründungszeiten zu erhalten, bewahren und weiter zu pflegen.

       
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